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Praxis12. Februar 2026 5 min Lesezeit

Warum der Krisenplan im Aktenschrank bleibt

Die meisten Einrichtungen haben einen Krisenplan. Die wenigsten können ihn im Ernstfall einsetzen. Woran das liegt — und was wirklich hilft.

Fragen Sie in einem Krankenhaus nach dem Krisenplan — und Sie werden ihn bekommen. Einen Ordner, vielleicht digital hinterlegt, mit Organigrammen, Checklisten und Kontaktnummern. Gut gemeint, sorgfältig erstellt, irgendwann. Und dann nie wieder angefasst.

Das Kompetenz-Dokumenten-Gap

Unter Druck fallen Menschen auf das zurück, was sie wirklich können — nicht auf das, was sie einmal gelesen haben.

Fünf Gründe, warum Krisenpläne in der Praxis scheitern

  • Sie wurden von einem kleinen Team erstellt — ohne Einbindung derer, die sie im Ernstfall anwenden sollen
  • Sie sind szenariospezifisch statt strukturbasiert — und der tatsächliche Ernstfall passt nie zum Szenario
  • Verantwortlichkeiten sind statisch definiert — obwohl im Ernstfall genau die definierten Personen fehlen
  • Kommunikationswege setzen Infrastruktur voraus — die im Ernstfall ausgefallen ist
  • Der Plan wurde nie unter realem Zeitdruck angewendet

Was wirklich hilft: Prinzipien statt Szenarien

Ein guter Krisenplan ist kurz, strukturell und prinzipienbasiert. Er beschreibt nicht, was in welchem Szenario zu tun ist — sondern wer welche Entscheidungen treffen darf, wie Informationen fließen und wie Prioritäten gesetzt werden. Und dann: üben. Nicht einmal jährlich mit großem Aufwand, sondern regelmäßig und im kleinen Rahmen.

FS

Fabian Schmidt

Notarzt · Freier Sachverständiger · Gründer der Notfallakademie

Fabian Schmidt ist Arzt mit Zusatzbezeichnung Notfallmedizin, Sanitätsoffizier der Bundeswehr und Gründer der Notfallakademie. Er berät Krankenhäuser, Kommunen und Unternehmen im Krisenmanagement und forscht zu Resilienz und Notfallvorsorge.

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