Alle Beiträge
Forschung18. März 2026 7 min Lesezeit

Gesamtgesellschaftliche Resilienz in hybriden Bedrohungslagen

Hybride Bedrohungslagen kombinieren klassische Krisen mit gezielten Angriffen auf Informations- und Infrastruktursysteme. Was das für zivile Führungsstrukturen bedeutet — und warum der Bevölkerungsschutz neu denken muss.

Der Begriff 'hybride Bedrohung' ist in der Sicherheitspolitik allgegenwärtig geworden — und bleibt dabei erstaunlich unscharf. Gemeint ist ein Muster, bei dem militärische und nicht-militärische Mittel so kombiniert werden, dass klassische Abgrenzungen versagen: zwischen Krieg und Frieden, zwischen innen und außen, zwischen Täter und Unbeteiligtem.

Was hybride Angriffe für kritische Infrastruktur bedeuten

In hybriden Lagen kommen multiple, aufeinander abgestimmte Stressoren gleichzeitig — und genau das unterscheidet sie von allem, was herkömmliche Krisenpläne abbilden.

  • Gleichzeitiger Ausfall mehrerer Infrastruktursysteme (Strom, IT, Kommunikation)
  • Gezielte Desinformationskampagnen, die Führungsentscheidungen erschweren
  • Überlastung von Leitstellen durch koordinierte Falschwarnungen
  • Angriffe auf Gesundheitsdaten und Krankenhausinformationssysteme
  • Physische Angriffe auf Versorgungslogistik (Kraftstoff, Medikamente, Sauerstoff)

Ein Plan, der funktioniert, wenn ein Ding schiefgeht, ist kein Krisenplan. Ein Krisenplan muss funktionieren, wenn fünf Dinge gleichzeitig schiefgehen — und drei davon absichtlich herbeigeführt wurden.

Praktische Konsequenzen

  • Redundante Kommunikationssysteme — nicht nur als Backup, sondern regelmäßig geübt
  • Stabsstrukturen, die ohne digitale Unterstützung lauffähig sind
  • Klare Eskalationspfade, die auch bei Ausfall der ersten Ebene greifen
  • Szenarien-übergreifende Übungen statt szenariospezifischer Schulungen
  • Vernetzung mit Katastrophenschutzbehörden und Nachbareinrichtungen vor dem Ereignis
FS

Fabian Schmidt

Notarzt · Freier Sachverständiger · Gründer der Notfallakademie

Fabian Schmidt ist Arzt mit Zusatzbezeichnung Notfallmedizin, Sanitätsoffizier der Bundeswehr und Gründer der Notfallakademie. Er berät Krankenhäuser, Kommunen und Unternehmen im Krisenmanagement und forscht zu Resilienz und Notfallvorsorge.

Teilen

Krisenmanagement-Newsletter

Analysen, Fallstudien, neue Artikel — kein Spam.

Abmeldung jederzeit möglich. Kein Tracking. Gemäß Datenschutzerklärung.